„1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland"

Besuch der Synagoge in Trier

Im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ haben sich 10 Frauen auf Einladung des Kath. Frauenbunds Prüm am frühen Morgen des 13. Oktobers auf eine Spurensuche nach Trier begeben.

Am Vormittag konnten erste Eindrücke in der Sonderausstellung „Orte jüdischen Lebens in Trier. Eine Spurensuche in Interviews“, die im Simeonstift zu besichtigen war, gewonnen werden.

Um 14 Uhr begrüßte uns Peter Szemere, Mitglied im Vorstand der  Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, auf den Stufen der mächtigen Synagoge von Trier.

Peter Szemere, selbst evangelischer Christ, engagiert sich seit vielen Jahren in und für die jüdische Gemeinde in Trier, die aus etwa 460 Mitglieder besteht. Fast alle sind in den 1990er Jahren aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach Trier gekommen. Die Jüngeren sind hier geboren und aufgewachsen.

Der Gebetsraum: Im Toraschrein werden die Torarollen aufbewahrt. Sie ist eine handgeschriebene Rolle aus Pergament mit dem hebräischen Text der fünf Bücher Mose. Mit schwarzer Tinte ohne Punkt geschrieben. Vorlesepult mit Gebetsschal..., Ewiges Licht, Menora-Leuchten.

Juden hätten neben den Zehn Geboten - 365 Verbote und 248 Gebote zu beachten, so Szemere, einige davon sind auf den Schriftrollen zu lesen, die  im Gebetsraum der Synagoge auch in deutscher Sprache vorliegen. Herr Szemere hat uns in wesentlichen Zügen in die Gründe und Bedeutungen dieser Gesetze eingeführt und in Aspekte der jüdischen Geschichte. Dabei konnten wir auch Wurzeln unseres christlichen Glaubens entdecken.

 

Die jüdische Gemeinde Trier hat keinen eigenen Rabbi, die Vorbeter kommen von außerhalb in die Synagoge. Einmal in der Woche ist Gottesdienst,  in der Regel in hebräischer Sprache.

Die Menora - der siebenarmige Leuchter ist neben dem Davidstern

eines der wichtigsten Symbole des Judentums.

Großer Versammlungsraum

Die Synagoge ist aber auch ein Ort der Zusammenkunft; neben einem großen Versammlungsraum  gibt es eine gut ausgestattete Küche, die streng nach den koscheren Vorschriften eine „Milch“- und eine „Fleischseite“ hat.

 

Die antisemitischen Angriffe in anderen deutschen Städten bleiben auch für die jüdische Gemeinde in Trier nicht ohne Folgen. So wird  der Eingang der Synagoge eine neue sichere Schleuse bekommen.

 

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Beim anschließenden Gang über den alten Jüdischen Friedhof in der Weidengasse, der von 1620 bis1650 angelegt wurde, spielte ebenfalls das Thema Sicherheit eine Rolle. Nach der Schändung des Friedhofes in den achtziger Jahren wurden die Mauer erhöht und der Eingang versetzt.

Peter Szemere erwies sich auch auf dem Friedhof als absoluter Experte. Unter anderem konnte er uns die Grabsteine des Großvaters und Urgroßvaters von Karl Marx zeigen und wies auf eine poetische Inschrift in Deutscher Sprache hin: „Nicht unter hartem, kaltem Stein, nicht unter grünem Rasen. Schlief uns‘rer Mutter Liebe ein, die ewig ohne Maßen…“

 

Nachdem der Friedhof (3481 Quadratmeter) voll  belegt war, wurde er 1922 geschlossen. Es sind noch 500 Grabsteine erhalten.